
Nach dem Tod ihrer Tochter | MORE THAN A DREAM Podcast
Episode 04 — MORE THAN A DREAM Podcast · mit Stephanie Stadlmann
2018 verliert Stephanie ihre Tochter Alia, kurz vor ihrem zweiten Geburtstag. Ganz plötzlich, zu Hause, mitten in einem ganz normalen Tag. In dieser Folge erzählt sie, wie man weiterlebt, wenn für einen selbst die Welt stillsteht, während sich draussen alles einfach weiterdreht. Es ist das ehrlichste und vielleicht wichtigste Gespräch, das wir bisher führen durften.
Diese Folge berührt Tod und Trauer um ein Kind. Lies und hör sie in einem Moment, in dem du dafür bereit bist.
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Ein ganz normaler Tag
Es waren Herbstferien, nichts Besonderes. Die Mädchen spielten im Kinderzimmer, Stephanie hatte kurz zuvor noch geschaut, ob nichts herumliegt. Wenige Minuten später hörte sie einen komischen Luftzug. Alia bekam keine Luft mehr.
Was folgte, war ein Kampf, der Stunden dauerte und doch keine Chance hatte. Erst später zeigte sich die Ursache: ein verschluckter Luftballon, an einer Stelle, die niemand erreichen konnte. «Es ist eine Verstrickung von ganz vielen schlechten Zuständen. Sie hatte wirklich keine Chance.»
«Du stehst am nächsten Morgen auf und deckst den Tisch für vier. Und merkst: einen Platz braucht es nicht mehr.» — Stephanie
Stark bleiben für die, die geblieben ist
Ihre ältere Tochter Malea war dabei. Sie hat ihre Schwester sterben sehen. Für Stephanie war in diesem Moment etwas sofort klar: «Sie hat es nicht verdient, dass ich mich jetzt aufgebe. Ich will stabil bleiben. Ich will eine Mami sein für sie.»
Also stand sie am nächsten Morgen auf. Machte das Morgenessen. Versuchte, einen Alltag zu bauen. Sie nennt es selbst einen enormen Kraftakt und sagt zugleich einen Satz, der die ganze Folge prägt: Mentale Stärke greift hier zu kurz. Das hier ist eine eigene Sphäre.
«Durch den Tag zu kommen war keine Selbstverständlichkeit. Es war eine Leistung.» — Stephanie
Die Welt steht still, und draussen dreht sich alles weiter
Das ist vielleicht das Bild, das am tiefsten bleibt. Während für Stephanie alles zum Stillstand kam, ging das Leben um sie herum einfach weiter. «Der Vogel, der gestern vor dem Fenster vorbeigeflogen ist, fliegt heute wieder vorbei. Und für dich bleibt die Welt stehen.»
Genau dagegen arbeitet sie heute. Sie will, dass hingeschaut wird. Dass Betroffene gehört werden.
«Ich möchte den Eltern eine Stimme geben. Damit sie gehört werden.» — Stephanie
Die Schuld, die andere gaben, und die sie sich selbst gab
Manche Menschen wechselten die Strassenseite. Verschwanden im Supermarkt hinter dem Regal. «Menschen brauchen eine Schuldige, wenn ein Kind stirbt.» Und ein Teil dieser Schuld kam von innen: Hätte ich besser aufpassen müssen?
Ihr Buch wurde auch deshalb zu einem Befreiungsschlag. Es lädt dazu ein, sich selbst ein Bild zu machen, ob ein solcher Moment überhaupt zu verhindern gewesen wäre.
Was wirklich geholfen hat
Keine Ratschläge. Kein «probier es mit Yoga», kein «du musst jetzt etwas essen». Was Stephanie getragen hat, war eine Freundin, die einfach da war.
«Sie hat sich mit mir unter meine Trauerwolken gehockt. Sie hat meinen Schmerz ausgehalten, ohne zu werten.» — Stephanie
Daraus ist das geworden, was sie heute jedem mitgibt, der nicht weiss, was er sagen soll: Sei da. Hör zu. Lass zu. Es klingt nach wenig. Es ist alles.
Schutzhütte oder Windmühle
Es gibt ein Sprichwort: Wenn es windet, bauen die einen Schutzhütten und die anderen Windmühlen. Stephanie ist eine Windmühle geworden. Aus dem Schreiben, das zuerst nur Verarbeitung war, wurde ein Buch. Dann ein Podcast. Dann die Ausbildung zur Abschiedsrednerin.
Sie sieht sich dabei nicht als Helferin. «Die Trauer muss jeder selbst durch. Ich bin einfach da und gebe dem Ganzen eine Stimme.»
«Ich möchte, dass Alia irgendwann vom Himmel herabschaut und sagt: Mami, ich bin stolz, was du aus meinem Tod machst.» — Stephanie
Was du aus dieser Folge mitnimmst
Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Lass dich von niemandem unter Druck setzen, auch nicht von dir selbst. Du musst nicht funktionieren.
Trauer braucht keine Lösung, sondern Anwesenheit. Das Wertvollste, was du einem trauernden Menschen geben kannst, ist da zu sein und zuzuhören.
Anerkenne, was du leistest. Aufstehen, duschen, durch den Tag kommen, das ist nach einem Verlust eine echte Leistung. Sei stolz darauf.
Verarbeitung darf eigene Wege gehen. Niemand trauert falsch. Ob Rückzug oder Bewegung, beides darf sein, auch in einer Partnerschaft.
Aus Schmerz kann Sinn werden. Nicht weil der Verlust dadurch kleiner wird, sondern weil das Weitergeben anderen Halt gibt.
Wo du Stephanie findest
Stephanie Stadelmann ist Autorin, Podcasterin und zertifizierte Abschiedsrednerin. Sie begleitet Menschen durch einen würdevollen Abschied und gibt Betroffenen über ihren eigenen Podcast eine Stimme.
📖 Buch: «Ich hätte mein Leben gegeben, um deines zu retten – Wie wir nach dem Tod unserer Tochter zu einem neuen Leben fanden» https://stephanie-stadelmann.ch/buch/
🎙️ Ihr Podcast: «Mein Kind ist tot – wie weiter?» (überall, wo es Podcasts gibt) https://stephanie-stadelmann.ch/podcast/
🕊️ Trauerreden & Kontakt: https://stephanie-stadelmann.ch/
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