
Von der Pandemie zur Mission — Wie Michelle schon über 2'000 Familien in Guatemala versorgte
Episode 02 — MORE THAN A DREAM Podcast
Michelle Sutter, Gründerin The M-Story | themstory.ch
Sie wollte nach Guatemala auswandern — dann kam die Pandemie. Statt aufzugeben, gründete Michelle in derselben Woche ein Hilfswerk. Ohne Logo, ohne Namen, ohne Plan. Was daraus wurde, hat über 2'000 Familien das Leben verändert.
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In Episode 2 des MORE THAN A DREAM Podcasts hören wir die erste offizielle Impact-Story. Michelle Sutter hat mit 17 allein Argentinien bereist, sich in Guatemala verliebt — und dort mitten in einer globalen Krise etwas aufgebaut, das heute Kindern eine Zukunft gibt. Ein Gespräch über Mut, Hingabe und die Frage, warum wir so oft auf den «richtigen Moment» warten, der nie kommt.
Kinder, die nicht wussten, was Träumen bedeutet
Es gibt einen Moment in diesem Gespräch, der alles verändert. Michelle erzählt, wie sie 50 Kindern in Guatemala ein Blatt Papier gab und sagte: «Malt euren Traum.» Kein einziges Kind hat etwas gemalt. Sie schauten sie mit grossen Augen an und sagten: «Wieso? Wir werden ja eh einfach Mami oder Papi.»
«Eineinhalb Jahre später hat jedes einzelne Kind einen Traum aufgemalt. Das war messbarer Fortschritt.» — Michelle
Eineinhalb Jahre Schulbildung, Englischunterricht und Workshops später verteilte Michelle erneut Blätter. Dieses Mal malte jedes Kind einen Traum. Dieses Bild — von leeren Seiten zu gemalten Zukunftsvisionen — ist vielleicht die kraftvollste Darstellung von Impact, die man sich vorstellen kann.
Wie alles begann: Eine Pandemie und weisse Fahnen
Michelle hatte sich in Guatemala ein Zuhause aufgebaut. Sie war bereit auszuwandern, hatte ihrer Familie gesagt, sie hole nur noch den Rest ihrer Sachen. Dann kam die Pandemie. Mit dem letzten Flieger musste sie zurück in die Schweiz. Ihr Gepäck blieb in Guatemala. Sie dachte, nach zwei Monaten sei sie zurück.
Es kam anders. Und was sie von der Schweiz aus sah — die Notsituation der Menschen, die sie liebgewonnen hatte — konnte sie nicht ignorieren. Die Familien hängten weisse Fahnen vor ihre Häuser als Zeichen, dass sie Hilfe brauchten.
«Ich hatte keinen Plan. Kein Logo, keinen Namen. Ich habe einfach in der gleichen Woche angefangen.» — Michelle
In derselben Woche rief sie in Guatemala an und sagte: Wir fangen an auszuliefern. Daraus wurden über 2'000 Familien, die mit Lebensmitteln versorgt wurden. Kein Businessplan. Kein Konzept. Einfach Handeln, weil es nötig war.
Von Lebensmitteln zu Selbstversorgung
Was Michelle besonders auszeichnet: Sie hat früh erkannt, dass Lebensmittellieferungen keine dauerhafte Lösung sind. Guatemala ist nährreich. Es sollte möglich sein, dass sich die Familien selbst versorgen können.
Seit Anfang letzten Jahres läuft ein Selbstversorgungsprojekt. Über 40 Familien bauen heute Avocados, Mangos und Gemüse an, halten Hühner und entwickeln eigenständig neue Ideen, wie sie ihre Gärten verbessern können. Lebensmittellieferungen sind seitdem nicht mehr nötig.
«Alles, was gesund ist, wächst. Und wenn etwas natürlich entsteht, aus dem Herzen heraus, dann ist es gesund.» — David
Das Projekt hat sogar eine weitere Premiere hervorgebracht: Ein Mädchen aus dem Dorf wurde Buchhalterin — die erste Frau überhaupt, die dort jemals eine Ausbildung abgeschlossen hat. Sie inspiriert jetzt andere Frauen im Dorf, denselben Weg zu gehen.
12 Leute. Alle ehrenamtlich. 0% Verwaltungskosten.
Eine der beeindruckendsten Zahlen in diesem Gespräch: Das gesamte The M-Story-Team — sechs Personen in der Schweiz, sechs in Guatemala — arbeitet ehrenamtlich. Jeder Rappen, der gespendet wird, geht direkt ins Projekt. Kein Gehalt, keine Verwaltungskosten, keine versteckten Ausgaben.
Michelle hat das von Anfang an so entschieden: «Es wird jeder Rappen in diese Kinder investiert. Und das werde ich für immer so behalten.»
Das Schutzengel-Programm: CHF 200, ein Kind, ein Jahr Schule
Ein konkretes Herzstück von The M-Story ist das Schutzengel-Programm. Für CHF 200 im Jahr kann man einem Kind ermöglichen, in die Schule zu gehen, medizinische Versorgung zu bekommen und mit Lebensmitteln und Schuluniformen versorgt zu werden.
Zum Zeitpunkt der Aufnahme fehlten noch 80 Schutzengel, um alle Kinder im Programm abzudecken. David und Elias haben sich spontan entschieden, als MORE THAN A DREAM Podcast selbst zwei weitere Patenschaften zu übernehmen.
Wer Schutzengel werden möchte: https://www.themstory.ch/
«Ich bin nicht irgendeine weisse Schweizerin»
Was Michelle von vielen Hilfsprojekten unterscheidet: Sie ist nicht als Europäerin hingegangen, um zu zeigen, «wie es läuft». Sie hat den lokalen Akzent gelernt. Sie hat sich integriert, von A bis Z. Nicht ihre Werte mitgebracht, sondern eine helfende Hand geboten.
«Ich bin nicht irgendeine weisse Schweizerin. Wenn ich hier etwas aufbauen soll, muss ich dazugehören.» — Michelle
Diese Haltung — Respekt statt Belehrung, Dazugehören statt Draufschauen — zieht sich durch alles, was Michelle macht. Und sie ist der Grund, warum das Projekt vor Ort funktioniert und von der Community getragen wird.
Warum wir zu wenig Impact machen
David fragt direkt: Was hält Menschen davon ab, Gutes zu tun? Michelles Antwort ist klar: Angst. Angst vor dem Scheitern. Angst, dass es zu wenig ist. Angst vor der Meinung anderer.
Auch sie hat diese Sätze gehört. «Das ist nur ein Tropfen auf den heissen Stein», hat man ihr gesagt. Sogar Journalisten meinten: «Hauptsache ein Tröpfchen.»
«Jeder Tropfen zusammen gibt nachher einen Platzregen.» — Michelle
Dazu kommt ein spezifisch schweizerisches Denken: Lieber gar nichts machen, weil man nicht genau weiss, wo das Geld hingeht. Michelle versteht die Skepsis — sie war selbst frustriert über intransparente NGOs. Aber ihre Antwort ist nicht Resignation, sondern Transparenz. Jeder Schutzengel kann nach Guatemala fliegen, die Kinder besuchen, alles mit eigenen Augen sehen.
Leben ohne Social Media
Vielleicht die überraschendste Facette von Michelle: Sie lebt seit Jahren ohne Social Media. Komplett gelöscht. Kein Instagram, kein Facebook, nichts. Und sie hat sogar eine ganze Woche komplett ohne Handy verbracht.
Ihr Ergebnis? Mehr Klarheit, mehr Ideen, mehr Verbindung zu sich selbst. In einer Welt, in der wir von Informationen überflutet werden, hat Michelle gemerkt, dass die ständige Ablenkung sie von ihrer Mission abgehalten hat.
Ihr Rat: «Für alle, die diese Möglichkeit haben — ich würde es so sehr empfehlen. In diesen Wochen kommen so viele Ideen, man findet sich selber und spürt sich wieder anders.»
«Der richtige Moment ist genau jetzt»
Wenn Michelle eines mitgeben könnte, dann das: Nicht warten. Nicht auf den perfekten Plan, nicht auf das grosse Zeichen, nicht auf den Moment, in dem alles stimmt. Denn dieser Moment kommt nicht. Der richtige Moment ist jetzt.
«Wartet nicht auf morgen oder auf den richtigen Moment, denn der ist genau jetzt.» — Michelle
Sie hat es selbst bewiesen. Ohne Plan, ohne Logo, ohne Namen. Einfach angefangen. Und heute lernen Kinder in Guatemala lesen, schreiben und träumen — weil eine junge Schweizerin nicht gewartet hat.
Die wichtigsten Takeaways
1. Einfach anfangen: Du brauchst keinen perfekten Plan. Michelle hatte kein Logo, keinen Namen, keine Strategie — und hat trotzdem über 2'000 Familien erreicht.
2. Jeder Tropfen zählt: Lass dich nicht von der Grösse des Problems einschüchtern. Jede Hilfe — auch ein Lächeln — ist bereits Impact.
3. Transparenz schafft Vertrauen: 0% Verwaltungskosten und offene Türen für Besucher — so entsteht echtes Vertrauen in ein Projekt.
4. Respekt vor Integration: Nicht belehren, sondern dazugehören. Michelles Ansatz zeigt, wie nachhaltige Hilfe wirklich funktioniert.
5. Digital Detox wirkt: Wer sich von Social Media löst, findet Klarheit, Ideen und sich selbst. Michelles Empfehlung: Probier eine Woche ohne Handy.
Werde Schutzengel
Für CHF 200 im Jahr kannst du einem Kind in Guatemala Schulbildung, medizinische Versorgung und Lebensmittel ermöglichen. Jeder Rappen kommt direkt an — ohne Verwaltungskosten.
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