
Mit 29 drei Firmen — Wie Jan seine Träume umsetzt, ohne sich zu verlieren
Episode 03 — MORE THAN A DREAM Podcast
Jan, Gründer Bentwood | bentwood.ch
Sein erster Ring sah, in seinen eigenen Worten, «Gott jämmerlich» aus. Heute hat Jan über 1'000 Pärchen mit handgefertigten Eheringen begleitet, einen Showroom eröffnet und führt mit 29 drei Firmen — und er hat es niemandem erzählt.
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In Episode 3 des MORE THAN A DREAM Podcasts treffen David und Elias auf Jan — einen jungen Unternehmer, der sich weigert, sich so zu nennen. Stattdessen beschreibt er sich als jemand, der «einzigartige Schmuckstücke aus einem natürlichen Material» herstellt. Hinter dieser bescheidenen Formulierung stecken drei Firmen, ein 84-jähriger Grossvater, der jeden Tag noch in der Werkstatt steht, und eine Geschichte, die zeigt: Der erste Schritt darf schlecht sein — Hauptsache, er passiert.
Ein Ring für Mama — der Anfang von allem
Die Bentwood-Geschichte beginnt in einer kleinen Schreinerei mit elf Mitarbeitenden. Jan war Lehrling und liebte die feinen, detaillierten Arbeiten — nicht die Massenproduktion von Schränken und Vorhangbrettern. Eines Tages wollte er seiner Mutter ein Geschenk machen und drehte an einer Ständerbohrmaschine seinen ersten Holzring.
«So wie er aussah, würde ich heute sagen: Jämmerlich. Aber das war der Startschuss.» — Jan
Aus diesem einen Ring wurde ein Hobby, aus dem Hobby ein Business. Heute fertigt Jan Einzelstücke an — keine Massenware. Jeder Ring ist ein Unikat, oft aus Material, das die Kunden selbst mitbringen: eigenes Holz, eigenes Edelmetall, eigene Geschichte.
Der Grossvater, der mit 84 noch jeden Tag in der Werkstatt steht
Wenn Jan über seine unternehmerische Reise spricht, fällt ein Name immer wieder: sein Grossvater. 84 Jahre alt, jeden Tag in der Werkstatt. Er war es, der Jan von Anfang an unterstützt hat — mit jahrzehntelanger Erfahrung aus dem technischen Modellbau und mit einer Leidenschaft, die nie nachgelassen hat.
Die beiden sind, wie Jan sagt, «sehr ausdrucksstarke Persönlichkeiten». Das hat zu Diskussionen geführt — aber genau diese Diskussionen haben sie immer weitergebracht. Es ist eine der prägendsten Beziehungen in Jans Leben und ein Beweis dafür, dass Generationen voneinander lernen können, wenn beide bereit sind zuzuhören.
Über 1'000 Pärchen — und kein einziger Retoure
Eine Zahl, die man sacken lassen muss: Jan hat über 1'000 Pärchen mit Eheringen begleitet — also fast 3'000 einzelne Ringe gefertigt. Und kein einziger wurde zurückgeschickt.
Die Nervosität von früher — «Gefällt er? Ist er gut genug?» — ist einer ruhigen Selbstsicherheit gewichen. Aber was geblieben ist: die Emotionen bei der Übergabe. Freudentränen, Lachen, Brüllen vor Glück. Weil ein Ehering nicht einfach ein Schmuckstück ist, sondern ein Symbol, das Menschen ein Leben lang begleitet.
«Ich möchte nie Ringe machen müssen, sondern immer Ringe machen dürfen.» — Jan
Was Bentwood-Ringe besonders macht, ist nicht das Endprodukt allein — es ist der Prozess davor. Die Kunden bringen eigene Materialien mit, gestalten das Design gemeinsam mit Jan. Die Geschichte des Rings beginnt lange vor der Übergabe. Und genau das macht den Unterschied zu einem Ring aus dem Schaufenster.
Die stille Gründung: Gekündigt, ohne es jemandem zu sagen
2019 hat Jan gekündigt und sich vollständig selbstständig gemacht. Und er hat es niemandem erzählt. Nicht seiner Familie, nicht seinen Freunden. Einfach gemacht.
«Ich habe niemandem gesagt, dass ich gegründet habe. Damit ich keinen Druck von aussen auf mich schaffe.» — Jan
Das war keine Arroganz — es war Strategie. Jan wusste, dass gut gemeinte Ratschläge und fremde Ängste seine Entscheidung beeinflussen würden. Seine Eltern — sein Vater seit über 30 Jahren am selben Arbeitsplatz, seine Mutter ebenfalls angestellt — hätten ihm wahrscheinlich geraten, etwas Sicheres zu machen. Und genau das wollte er vermeiden.
Sein Rat an alle, die sich fragen, wie man den Sprung wagt: «Einfach machen. Ich habe noch nie einen grossen Businessplan gemacht. Alles war Learning by Doing.»
Drei Firmen, eine Frage: Wie bleibt man ruhig?
Neben Bentwood führt Jan einen Sportkarten-Handel (Pokémon-Karten, Sammelkarten) und baut gerade sein drittes Standbein im Immobilienbereich auf. Die Frage, die sich aufdrängt: Wie hält man das aus, ohne durchzudrehen?
Jans Antwort ist überraschend einfach. Er hat drei Säulen, die ihn tragen:
Dankbarkeit. Jeden Tag schreibt Jan vier Dinge auf, für die er dankbar ist. Das dauert keine fünf Minuten. Es sind oft die einfachsten Sachen — eine halbe Stunde Mittagessen mit seinem Grossvater zum Beispiel. Kein grosser Meilenstein nötig. Einfach bewusst wahrnehmen, was da ist.
«Ich schreibe mir jeden Tag 4 Sachen auf, bei denen ich extrem dankbar bin. Es müssen nicht grosse Meilensteine sein.» — Jan
Meditation und bewusste Pausen. Und damit meint Jan nicht Netflix schauen. Pause heisst: Handy weg, eine halbe Stunde laufen gehen oder ein Powernap. Keine Informationen, kein Input. Einfach Stille. Denn echte Erholung entsteht nicht durch Konsum, sondern durch Leere.
Das richtige Umfeld. Jan umgibt sich nur noch mit Menschen, die ihm guttun und freiwillig bei ihm sind. Ein kleiner, enger Kreis. Dafür weiss er auf jeder Seite: Diese Person steht zu 100 Prozent hinter mir. Keine Zweifel, keine Energie-Vampire.
Sich von Menschen lösen — wenn Routinen negativ werden
Das Thema Umfeld hat auch eine unbequeme Seite. Jan spricht offen darüber, dass er sich bewusst von Menschen distanziert hat, die ihm nicht gutgetan haben. Nicht immer war das einfach. Manche Beziehungen fühlten sich normal an, weil sie zur Routine geworden waren — aber es waren negative Routinen.
Sein Massstab: Wenn man sich nach einem Treffen mit jemandem ausgelaugt fühlt statt bereichert, dann stimmt etwas nicht. «Wenn man sich vorstellen muss, dass man mit einer Person irgendwie Zeit verbringen kann oder einen Weg sucht, dass es klappt, dann ist es nicht unbedingt beförderlich.»
Vom Dubai-Traum zum «Dürfen statt Müssen»
Jan hatte einmal einen grossen Traum: Seine Ringe in den Malls von Dubai zu sehen. Er war dort vor zehn Jahren und hat sich gesagt: Irgendwann sind meine Ringe hier. Heute ist er von diesem Traum bewusst abgerückt.
Nicht weil er gescheitert ist — sondern weil er gelernt hat, was er wirklich will. Sein neuer Traum ist bescheidener und gleichzeitig tiefer: nie Ringe machen müssen, sondern immer Ringe machen dürfen. Sich auf die Freude konzentrieren, die er seinen Kunden bereitet. Nicht grösser werden um des Grösserwerdens willen.
«Wenn man Wünsche und Träume erfüllt hat, darf man das feiern und nicht gerade zum nächsten Traum jagen.» — Jan
Diesen Januar hat sich ein anderer, älterer Traum erfüllt: Jan hat seinen eigenen Showroom in Oftringen eröffnet. Weg vom kleinen Atelier im 600-Seelen-Dorf Lohn, hin zu einem Raum, der seinen Ringen gerecht wird. Das hat er sich bewusst erlaubt zu feiern — bevor er zum nächsten Ziel springt.
«Was hindert dich daran?»
Eine der eindrücklichsten Geschichten in der Episode: Jans bester Freund, den er kennt, seit sie zusammen in Windeln waren, wollte schon immer Fotograf werden. Er macht es nebenbei, und er macht es richtig gut. Aber er hat nie den Sprung gewagt.
Jan stellte ihm eine einzige Frage: «Wenn du das Fotografieren den ganzen Tag machst, wirst du nicht weniger verdienen als jetzt. Was hindert dich daran?» Sein Freund brauchte keine 30 Sekunden, um zu sagen: «Ja, stimmt eigentlich.»
Der Freund ist heute noch angestellt — aber er baut es auf. Manchmal braucht es nur eine Frage, um einen Stein ins Rollen zu bringen.
Angst? Die haben wir alle schon überwunden.
Auf die Frage, ob ihm etwas Angst macht, antwortet Jan nüchtern: Vieles, was heute gelöst ist, hat früher Angst gemacht. Und wenn man das weiss, kann man auch das Neue, das Angst macht, als das sehen, was es ist: eine Challenge, die man lösen kann.
«Viele Sachen, die wir heute gelöst haben, haben ja früher einmal Angst gemacht.» — Jan
Kein Motivationsspruch, sondern Erfahrung. Und vielleicht der beruhigendste Gedanke in dieser ganzen Episode.
Handy weg — eine Stunde vor dem Schlafen
Ein letzter praktischer Tipp von Jan, der einfach klingt, aber vielen schwerfällt: Eine Stunde vor dem Schlafen das Handy weglegen. Egal, was noch reinkommt — es hat Zeit bis morgen. «Um halb 12 kannst du die Welt nicht mehr retten.»
Dieses Ritual hilft ihm, trotz drei Firmen und einem vollen Terminkalender, ruhig einzuschlafen. Nicht weil die Probleme verschwinden, sondern weil er sich erlaubt, sie loszulassen — bis morgen.
Die wichtigsten Takeaways
1. Dein erster Versuch darf schlecht sein: Jans erster Ring war «Jämmerlich». Heute hat er über 1'000 Pärchen begleitet. Der Start muss nicht perfekt sein — er muss nur passieren.
2. Schütze deine Entscheidungen: Jan hat gegründet, ohne es jemandem zu erzählen — um sich vor fremden Ängsten zu schützen. Manchmal ist Stille die beste Strategie.
3. Dankbarkeit ist trainierbar: 4 Dinge pro Tag aufschreiben, 5 Minuten. Kein grosser Aufwand, grosse Wirkung. Es müssen nicht Meilensteine sein — ein Mittagessen mit dem Grossvater reicht.
4. Dürfen statt Müssen: Der grösste Shift passiert, wenn man aufhört, einem fremden Traum hinterherzujagen, und sich fragt: Was will ich wirklich?
5. Verkleinere dein Umfeld: Wenige Menschen, aber die richtigen. Wer dich nach einem Treffen ausgelaugt zurücklässt, gehört nicht in deinen inneren Kreis.
Wo du Jan findest
Jan ist mit seinen Ringen auf den grössten Hochzeitsmessen der Schweiz unterwegs (Oktober bis Februar) und ab nächstem Jahr auch in Stuttgart. Termine für den Showroom in Oftringen oder das Atelier in Lohn kannst du direkt online buchen auf bentwood.ch.
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