Künstler Micha Häni alias Vierwind zu Gast im MORE THAN A DREAM Podcast, im Gespräch mit David Togni

Warte nicht, bis dich jemand entdeckt: Micha Häni (Vierwind)

October 22, 2026

Episode 7 — MORE THAN A DREAM Podcast · mit Micha Häni (Vierwind)

Ein Arzt sagte ihm früh: Farbenschwäche, künstlerische Berufe solle er sein lassen. Heute kennt man Micha Häni als Vierwind. Er bemalt Hauswände in Marokko und Albanien, hat mit Musikern und Brands wie Porsche gearbeitet und dieses Jahr in Armenien ein ganzes Flugzeug gestaltet. Mit David spricht er darüber, wie aus einer Leidenschaft ein Beruf wurde. Und warum man nicht warten sollte, bis einen jemand entdeckt.


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«Künstlerische Berufe würde ich schon mal sein lassen»

Als Kind bekam Micha von seinem Arzt eine klare Ansage: Farbenschwäche. Kunst und künstlerische Berufe solle er besser vergessen. Seine Eltern sahen das anders: «Hey, easy. Wir wissen, du zeichnest gerne.» Für Micha war das der entscheidende Moment. Jeder Mensch habe eine Flamme, die man leicht auslöschen könne. Er hatte das Glück, dass seine Eltern sie geschützt haben.

Das ist nicht selbstverständlich. Sein Vater und seine Mutter hatten feste Jobs, der Bruder ist Informatiker. «Und dann kommt noch der und sagt: Hey, jetzt mache ich da irgendwie einen auf Picasso.»

Vom Nebenjob zum Vollzeitkünstler

Nach seiner Lehre als Polydesigner 3D zeichnete Micha einfach weiter. 2016 mietete er sein erstes kleines Atelier und wählte seinen Künstlernamen Vierwind. Selbstständig war er am Anfang noch nicht. Er jobbte im Stundenlohn, unter anderem am Grill, damit er weiter Kunst machen konnte.

David hört darin etwas, das er bei vielen Menschen mit einem Traum vermisst: die Bereitschaft, für den eigenen Weg auch etwas anderes zu tun. Nicht zuerst alles abgesichert haben wollen, sondern anfangen.

Graffiti als Startschuss

Gefragt nach seinem grössten Impact, geht Micha ganz an den Anfang zurück: zur Graffiti- und Hip-Hop-Kultur. Dort habe er gelernt, anders sein zu dürfen und aufzufallen. Und dort erlebe man, wie Menschen einander prägen und mitziehen. Er hat auch Workshops gegeben, um zu zeigen, dass in dieser Szene viel mehr steckt als ihr Ruf.

Ein Flieger aus einer Bar-Idee

Sein jüngstes Projekt hat mit einem Gespräch in einer Bar in Bern begonnen: einen ausrangierten Flieger bemalen. Kein Auftrag, einfach eine gesponnene Idee. «Ich wollte den sehen.» Es folgten Jahre der Suche mit seinem Management, viele Kontakte bis nach Armenien und viele Tage Malen auf einer gewölbten Fläche, auf der jedes Gesicht erst aufwendig geplant werden muss.

Der Moment, als die Drohne zum ersten Mal hochging und das ganze Motiv sichtbar wurde, ist ihm geblieben: «Das, was wir dort erlebt haben, kann man nie mehr nehmen. Es ist alles in mir drin und das ist Memories für immer.»

Erst die Fläche, dann das Motiv

Wie wählt ein Künstler seine Motive? Für Micha beginnt alles beim Ort: «Zeig mir die Fläche.» Ein Löwe in Marokko, ein Adler in Albanien, das müsse zum Ort und zu den Menschen passen. Gestartet wird erst, wenn klar ist, wie es aussehen soll. Und dann bleibt er dran, auch wenn Zuschauer zwischendurch zweifeln, bis das Werk dem Bild in seinem Kopf gerecht wird.

Auch David und Micha verbindet ein Bild: der grosse Löwe, den Micha 2016 für Davids damalige Social Brand Love Your Neighbour live gemalt hat und der später als Print auf Shirts kam.

«Das Bild soll zu dir reden»

Micha erklärt seine Bilder nicht gerne. Bei Musik frage auch niemand, was sich der Künstler bei einer Melodie gedacht habe. Genau das wünscht er sich für seine Kunst: Man soll sie nicht verstehen wollen. Das Bild soll zu dir reden. Und wenn es nicht deins ist, ist das auch in Ordnung.

Dein Umfeld schützt die Flamme

Zwei Gedanken gibt Micha allen mit, die einen Traum haben. Erstens das Umfeld: Menschen, die dich pushen, bei denen du Ideen offen auf den Tisch legen darfst. Wer das nicht hat, soll solche Menschen suchen, denn es gibt sie. Sein Bruder, Informatiker und weit weg von der Kunst, ist bis heute einer seiner ehrlichsten Feedbackgeber. Dabei gilt für Micha: zuerst geben, bevor man etwas zurückverlangt.

Zweitens Disziplin. Von aussen sieht man nur die fertigen Bilder, nicht die vielen Stunden, die Fehlversuche und die Momente, in denen man aufhören möchte. «Du musst wirklich in das Brett reinbeissen und du musst es wollen.»

Was er dem 16-jährigen Micha sagen würde

Lange habe er auf Menschen gewartet, die ihm Türen öffnen. Heute würde er seinem jüngeren Ich sagen: «Warte nicht auf Leute, die dich irgendwie entdecken sollen. Mach das jetzt selber. Glaub an dich.» Irgendwann habe er gemerkt: Es kommt so viel raus, wie man reingibt.

«Ich verkaufe dir hier mein Herz»

Auch als Vollzeitkünstler gibt es keine Garantie. Micha spricht offen über Monate, in denen er noch Telefone machen musste, damit es aufgeht. Kunst ist für ihn auch ein Business. Seine ersten Aufträge bekam er, weil man seine Begeisterung spürte: «Es ist nicht, hey, ich verkaufe dir hier einen Kugelschreiber, den niemand will, sondern ich verkaufe dir hier mein Herz.»

Am Schluss stellt David die Frage, die über dem ganzen Podcast steht: Lebst du heute deinen Traum? Micha muss nicht lange überlegen: «Ich würde sagen, ja.»

Die wichtigsten Takeaways

  1. Warte nicht, bis dich jemand entdeckt. Fang selber an und glaub an dich.

  2. Dein Umfeld kann eine Flamme schützen oder auslöschen. Such dir Menschen, die an dich glauben.

  3. Für einen Traum darfst du auch mal am Grill stehen. Bereitschaft schlägt Sicherheit.

  4. Was von aussen leicht aussieht, ist viel Disziplin. Es kommt so viel raus, wie du reingibst.

  5. Gib zuerst, bevor du etwas zurückverlangst. Eine offene Hand kann Neues empfangen.

  6. Kunst muss man nicht verstehen. Sie darf einfach zu dir reden.

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Vierwind auf Instagram: @vierwind_
Website: vierwind.ch

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